Was ist das eigentlich, so ein Neubeginn?
Viele gratulierten mir dazu, fast schon aufmunternd.
Schrieben oder sagten mir, dass sie meinen Mut bewundern.
Das sie so etwas nicht könnten.
Die Sicherheit. Der Job. Das Haus. Die Freunde. Die Partnerin.Die Haustiere.
Und ich fragte mich, wie sich das für mich so anfühlt.

Wenns dir nicht gefällt, mach neu!

Also hab ich mich mal daran versucht, was man wirklich zurücklässt, wenn man den Schritt eines Umzuges macht, der weiter als zur nächsten Häuserecke geht.

Wir schrieben also das Jahr 2015. Ich lebte zufrieden in einer glücklichen Beziehung in einem Haus, zur Miete. Mich haben eine tolle Frau (das ist sie, auch jetzt noch), und meine Tiere täglich begleitet. Ich hatte meinen Garten, die Nachbarn, kannte jeden Stein und jede Pfütze. Ein Leben, wie es halt so gelebt wird. Klar, manches passte nicht. Das ist aber ja normal, hat ja jeder. Das ich immer unglücklicher wurde, es selbst nicht bemerkte, und das ich die Menschen um mich herum nicht mehr so behandelt hab, wie sie es eigentlich verdient haben – nun ja, das merkte ich erst später.
Im Rückblick ist es für mich erschreckend, wie distanziert ich Menschen gegenüber geworden bin, mit denen ich unter einem Dach gewohnt habe. Das war nicht fair.
Aber, alles im Leben macht Sinn. Alles. ALLES!

Und es wäre ein leichtes gewesen, die äußeren Umstände für das “Scheitern” meines damaligen Lebens als Schuldigen auszumachen. So ist es nicht. Ich hätte jeden Tag entscheiden können, was ich mache. Wem ich Zeit und Energie widme. Was immer da war, war die Liebe zu meinen Tieren. Diese war bedingungslos, in beiden Richtungen. Und alle vier waren wunderbare Lehrmeister und haben mich geformt. Auch, wenn ich nicht immer genau zugehört hab. Verzeiht!

Die Situation spitzte sich also zu, bis zum Knall im Oktober. Bumm. Dann Stille. Nichts.
Ich steckte alle meine Energie in die Hundepassion, und lenkte mich dadurch von mir selbst ab. Ich lernte eine neue Frau kennen, doch auch sie war eigentlich nur ein weiterer sicherer Anker in diesem Sturm, der durch mein Leben fegte. Denn was ich im Oktober noch nicht wusste-ich war eigentlich auf der Suche nach mir selbst. Nach meinem wahren Ich.

Bis ich auch hier merkte, dass ich mehr Energie gegeben habe, als mir eigentlich zur Verfügung stand, vergingen noch ein paar Tage. Ich war beileibe noch weit davon entfernt, am Ende meiner Kräfte zu sein. Das entspricht nicht meinem Naturell, ich schaffe es, immer wieder Energiereserven zu finden. Doch zum Glück merkte ich noch rechtzeitig, das ich etwas Grundlegendes ändern muss in meinem Leben. Denn mein Leben kann nur ich ändern, keine äußeren Faktoren oder Menschen um mich herum.
Zu dieser Zeit merkte ich jedoch auch, wie wichtig meine Familie und meine Freunde für mich sind. Sowohl die Freunde aus Kindertagen, die schon immer da waren und auch immer da sind, als auch die noch recht neuen Freunde. Alle wichtig, jeder und jede für sich. Auch wenn ich mich wochenlang nicht gemeldet habe, da ich gewisse Dinge erst einmal für mich erkennen wollte, sie waren da, wenn ich sie brauchte. Jedes Mal wieder, ohne auch nur einmal genervt über mein Verhalten zu sein. Offiziell auf jeden Fall.

Machen wir einen Sprung ins Jahr 2016

Als ich dann erkannt hatte, dass ich etwas ändern mag, gab es in meinen Augen nur den einen, erfolgsversprechenden Weg:
“Augen und Herz auf-und durch!”
Und als ich an dem Punkt angekommen war, das ich alles, wirklich alles losgelassen hab, fühlte ich mich unsagbar frei. Es war schmerzhaft, erst einmal an diesen Punkt zu kommen. Aber ich habe es noch keinen Moment bereut. Denn Loslassen wird häufig damit verwechselt, dass Altes dann unwiederbringlich weg ist, und unter keinen Umständen zurück gelangen kann. Aber ist nicht so. Ich habe Menschen vor den Kopf gestoßen, trotzdem sind sie weiterhin ein Bestandteil meines Lebens. Und ich bin dankbar, dass es so ist.
Ich habe auf meiner “Lebensreise” im letzten halben Jahr sehr wichtige und interessante neue Menschen kennengelernt, die ich nicht mehr missen möchte. Und ich bin an einen Ort gezogen, der schon lange Jahre mein Sehnsuchtsziel war- die Nordsee. Ich habe sie jedes Jahr besucht, häufig auch mehrfach, einfach, um die Weite zu genießen. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, aber auch stürmische, kalte, regnerische Nachmittage. Ich liebe es einfach. Und das habe ich nun, wenn ich mag, jeden Tag. Dies ist ein absoluter Luxus. Ein Stück Lebensqualität, welches frei verfügbar ist für mich. Wann immer ich möchte. Mich ans Meer zu stellen, im besten Falle ist sogar Wasser in der Nordsee, (Ja, Ebbe und Flut halt….), und an nichts denken. Nur fühlen und wirken lassen.

Fehlen tut mir wenig. Klar, wenn ich dann hier oben am Hundestrand sitze, denke ich gerne an die gemeinsame Strandzeit mit “meinem” Hund zurück. Es wäre nicht ehrlich, das zu verneinen. Aber ich habe auch hier mit den Tieren gemeinsam meine Entscheidung getroffen, dass ein Auseinanderreißen des Rudels zwar mein Ego befriedigt hätte, aber nicht das Wohl der Tiere.

Der aktuelle Stand ist der, das ich nun auf einem “wachsenden” Bauernhof lebe. Gemeinsam mit Ziegen, Hühnern, Schafen, dem Esel Max, Kaninchen und Menschen. Wachsend deshalb, weil das noch nicht das Ende ist. Wer oder was noch dazu kommt, wird die Zeit zeigen. Ich plane nichts mehr. Ist ein Erfahrungswert der letzten Jahre.

Was ich aber gemerkt habe für mich: Menschenkontakt ist sehr sehr wichtig. Oft sagen Menschen zu mir, das Tiere einfach die besseren Lebewesen sind. Vor einigen Jahren hätte ich Ihnen wohl ohne mit der Wimper zu zucken zugestimmt.
Heute nicht mehr, da es wirklich ganz tolle Menschen gibt. Wenn man sich Ihnen öffnet, und sie nicht generell ablehnt, nur weil sie Mensch sind.

Das Leben verläuft in den seltensten Fällen geradlinig, sondern baut gerne mal einen Schlenker ein. Und eben diese Abweichungen sind es, die für uns Menschen so schwer auszuhalten sind. Dabei ist es im Endeffekt so, dass ein Jeder von uns tun und lassen kann, was er möchte. Genau so lange, bis er anderen Lebewesen damit schadet.