Oder: die drei Ebenen in der Beziehung von Ihnen zu Ihrem Hund.

Liebe Leser,

heute möchte ich Ihnen erklären wie es möglich ist, dass manche Hunde wirken wie der verlängerte Arm seiner Menschen und manche eben nicht. Ich unterteile Hundebesitzer für mich in drei Beziehungsebenen. Jede dieser Beziehungsebenen kann man sehr genau benennen und mit einiger Übung auch im Team Hundebesitzer/Hund erkennen.

Die Beziehung zu Ihrem Hund

Die erste Ebene, auf der Menschen mit ihrem Hund zusammenleben, ist die mechanische Ebene.

Viele Hundebesitzer — aber auch Hundeschulen in ihrer Ausbildung — kommen fast nie über diese Ebene hinaus.

Die Beschäftigung sieht so aus, dass auf einen Reiz eine Reaktion folgt. Nächster Reiz, nächste Reaktion. Als Beispiel eine Sache, die man immer wieder sieht: Ein Hund möchte sich nicht hinsetzen. Also wird er heruntergedrückt. Wenn man diese Paare beobachtet, sieht man keinerlei Gefühl von Partnerschaft. Der Hund wird wie eine Maschine bedient. Und wenn diese Maschine nicht läuft, wie sie gerade soll, wird der Hebel angesetzt.

Die zweite Ebene ist für mich die Motivationsebene.

In dieser Ebene befinden sich wohl die meisten Hunde mit Herrchen und Frauchen. Hierfür benötigt der Mensch schon ein gewisses Maß an Neugier und Interesse an seinem Gegenüber. Die Frage wäre: »Warum tut mein Hund etwas und warum nicht?«

Wenn man versucht zu verstehen, was seinen Hund motiviert, beginnt man über ihn und mit ihm zu lernen. Motivation kann geschehen über Futter, Spielzeug, Spiel, Freiheit, Lob und Aufmerksamkeit. Allerdings gibt es natürlich auch Formen von negativer Motivation, erzeugt durch Schmerzen, Angst oder Entbehrung.

Es gibt Hunde — dies habe ich schon selbst erlebt — die aus Angst ihrem Besitzer hinterherlaufen, da sie Angst vor dem Verlassenwerden haben.

Der Hund, den ich kennenlernen durfte, sollte die Kommandos »Platz« und »Bleib« lernen. Er ist aus seiner Verlassensangst heraus seinem Besitzer nachgelaufen, da diese zu groß war. Der damals zuständige Hundetrainer verlangte, dass er nun körperlich angegangen werden müsse, da ein solches Verhalten nicht zu dulden sei. Also wurde der Hund für sein »Fehlverhalten« angeschrien und körperlich bestraft. Da dies wiederholt wurde, entwickelte der Hund größere Angst vor den Konsequenzen des Aufstehens als davor verlassen zu werden. Dass er dabei zitterte und nicht wusste wie ihm geschah, war dem damaligen Hundetrainer schlicht egal. Er blieb liegen.

Man hätte also zuerst an der Bindung arbeiten müssen und wenn diese stabil genug ist, folgt der nächste Schritt.

Auch in heutiger Zeit wird leider noch ab und an mit Entzug von Futter, Entzug von Sozialkontakten und — ich konnte es kaum glauben — mit Entzug von Wasser gearbeitet. Solche Herangehensweisen lehne ich strikt ab!

Kommen wir zur dritten Ebene, der allerschönsten. Es ist die spirituelle Ebene in der Beziehung zu Ihrem Hund.

Die Frage zu dieser Ebene ist: »Wie können wir das gemeinsam schaffen?«

Das Ego muss auf die Seite und die Beziehung zu unserem Tier muss in den Mittelpunkt. Es ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit, das sicherlich ganz viele von ihnen schon mit ihrem Hund erlebt haben.

Diese Ebene kann jedoch nur erreicht werden, wenn man das Bewusstsein für sein Tier und auch die Anstrengungen immer führt — und nicht nur, wenn Training oder Ausbildung ist. Hunde haben einen Job, den sie am besten erledigen. Und zwar den Job als Beobachter. Wenn sie nicht gerade tief schlafen, beobachten sie. Was wir machen, wie wir es machen und sie vergleichen dies mit dem Bild, das sie von ihrem Menschen haben. Deshalb muss die Beziehung zum Tier der Dreh- und Angelpunkt sein. Denn jede Tat kann diese Beziehung aufbauen oder erschüttern. Eine Führungsperson — und das sollte jeder Hundebesitzer sein — hat die Kontrolle über die Ressourcen. Das bedeutet: über Futter, Spaziergänge, Räumlichkeiten, Couch etc.. Und ein Mensch, der agiert — und nicht nur auf mögliche Anfragen des Hundes reagiert — hat einen hohen Status. Und wenn Sie es dann schaffen, diese Anstrengungen mit Herz durchzuführen, die Großartigkeit mancher Momente bemerken, ihren Hund auch einmal beschützen wenn es sein muss, dann haben Sie diese Ebene erreicht.

Es ist unmöglich — so sehe ich es jedenfalls — immer in dieser spirituellen Ebene zu sein. Denn wir Menschen haben halt nun mal nicht immer Lust etwas zu machen, oder wir geben auch schon einmal gerne nach.

Aber versuchen Sie — wenn Sie Probleme mit ihrem Hund haben — es immer mit der Frage: »Wie können wir das gemeinsam schaffen.« an die Dinge heranzugehen. Es ist schön, wenn auch Sie diese Ebene erreichen. Je häufiger, umso besser.

Noch ein Beispiel von unserem Hund. Unsere Numa setzt sich im Herbst/ Winter auch nicht gerne hin. Am Anfang war das für mich ein nicht zu duldendes Verhalten, da ein Hund sich zu setzen hat wenn der Mensch das will. Wenn ich aber nun mit der Frage daran gehe »Wie schaffen wir das gemeinsam?«, hinterfrage ich auch mich. Und mir ist aufgefallen, dass ich mich auch nicht unbedingt auf matschigen Boden oder aber Schnee setzen möchte. Und eigentlich wollte ich auch gar nicht das Numa sich setzt, sondern das sie bei mir bleibt, da ein Auto kommt oder wir eine Straße überqueren oder aber Rehe gesehen haben. Deshalb habe ich mir »Bleib« angewöhnt. Solange, bis das Kommando »Weiter« kommt. Oder »OK«. Ich erspare Numa damit einen eklig nassen Hintern — wofür sie mir dankbar ist — und ich habe trotzdem den Effekt erzielt, den ich beabsichtigt habe.

Besser Leben. Gemeinsam.
Ihr Thomas Jusik