Die Tierkommunikation ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Ich möchte Ihnen heute einmal beschreiben — anhand eines aktuellen Falles — wie die Suche nach einem verschwundenen Tier ablaufen kann

Das schreibe ich deshalb, weil diese »Fälle« jedes Mal anders sind und was für ein unerwartetes, aber dennoch glückliches Ende sie finden können — für alle Beteiligten und zum Wohl des Tieres. Beispielhaft füge ich immer mal wieder Dialoge aus den Nachrichten ein, die hin und her geschrieben wurden.

Bei diesen verschwundenen Tieren ist immer die Person aus unserem Team der Leiter, an den sich die häufig verzweifelten Kunden gewandt haben. Das bedeutet, dass in dem Fall auch die Kommunikation über diese Person läuft. Häufig beginnt die Kontaktaufnahme so wie hier, in diesem Falle über Facebook:

Kunde: »Hallo. Wir sind am Verzweifeln und brauchen Hilfe. Meine Kollegin ihr Hund, Amy aus Bulgarien, ist nun seit etwa 14 Tagen weg und wir suchen aber ohne Erfolg. Trotz der Hilfe einer Person, die angeblich mit Amy sprechen kann. Ich drehe bald durch wenn wir sie nicht finden Lg R.«

Ich: »Hallo R., können Sie mir bitte ein Bild von Amy schicken? Ansonsten lesen sie sich bitte noch hier meine Bedingungen durch. Wenn das OK für sie ist, können wir starten.«

Kunde: »Meine Kollegin hat eine Telepathin genommen aber es hat viel gekostet aber nicht viel ergeben.«

Ich: »Wie sie vielleicht gelesen haben, arbeiten wir zu viert im Team. Das macht es für uns leichter, da wir mehr Infos bekommen.«

Kunde: »Ich würde die Kosten übernehmen da sie schon 400 ausgegeben hat und ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich habe Amy noch nicht kennengelernt aber ich vermisse sie trotzdem. Ok zu viert ist auch besser als alleine. Wir haben schon Winter.«

Ich: »Sie hat 400 Euro für eine Tierkommunikatorin ausgegeben? Das ist aber ein stolzer Preis.«

Kunde: »400 Schweizer Franken. Ja das ist viel und wir haben nur eine kleine Rente.«

Ich: »Ok, wir werden dann jetzt beginnen, sobald wir brauchbare Informationen haben, melde ich mich bei ihnen. In Ordnung?«

Kunde: »Ja das ist super. Danke vielmals und es eilt wirklich. Die andere Person hat gesagt hat dass sie Hunger habe.«

Soweit die erste Kontaktaufnahme. Ich arbeite nach einem Ehrenkodex, aus diesem Grunde müssen immer die Besitzer des Tieres zustimmen, das ich/wir zu ihnen Kontakt aufnehmen. Dies wurde dann zwischenzeitlich auch erledigt. Es kommt immer mal wieder vor, dass man mit verschiedenen Personen schreibt, manchmal über Facebook, manchmal über WhatsApp, per SMS oder ganz klassisch über ein Telefonat. Und dann schließen wir uns im Team kurz und geben erste Informationen raus. Denn, ganz wichtig in einem solchen Fall: die Zeit fehlt. Das bedeutet nicht, dass die Arbeit weniger gewissenhaft ist.

Ich: »Hallo, erste Informationen. Wir sind alle davon überzeugt, dass Amy am Leben ist. Das ist immer das erste, was wir überprüfen. Amy hat Hunger, da gebe ich der vorherigen Kommunikatorin Recht. Wir sehen sie an einem Berg entlang laufen, an diesem Berg kann man klettern. Ebenso haben wir so etwas wie Gleitschirme gesehen, allerdings nicht in der Luft, sondern am Boden stehen. An dem Berg war ein großer Vorsprung zu sehen, der wirklich direkt ins Auge fällt. Wir bleiben dran, vielleicht können sie damit schon etwas anfangen. Ich kenne leider ihre Wohngegend nicht. Könnte das passen?«

Kunde: »Ja könnte passen nur weiß ich nicht genau wo, da es in der Schweiz mehrere solche Orte gibt.«

Und hier kommen wir zu einem der größten Hindernisse bei dem Projekt, ein verschwundenes Tier zu finden. Ich kenne meine Wohngegend sehr genau. Aber wie es vor Ort ist in Frankfurt, Hamburg, München oder der Schweiz ist, das weiß ich nicht. Was hilft es, Menschen von einem Maisfeld zu erzählen, wenn es dort etwa dreißig gibt? Und deshalb ist es so wichtig, auch auf Details zu achten. Auf Besonderheiten. Auf Gerüche und Geräusche.

Ich: »Wir vermuten sie aktuell am Eingang einer Höhle. Von dort schaut sie raus auf einen größeren See. Wenn das passt, ist es einen Versuch wert, sie dort zu suchen. Wir können aber auch erst noch Infos sammeln, um genauer zu werden.«

Kunde: »Ok ich nehme das Handy mit. Bei der Höhle hab ich eine Vermutung.«

Ich: »Wir sehen so etwas wie Stahlträger, oder ein Geländer?«

Kunde: »Ich sehe noch nichts. Können wir morgen früh weitermachen? Es wird langsam dunkel bei uns.«

Ich: »Aber natürlich. Können sie mir einen Punkt geben, wo wir versuchen können, Amy hinzubringen? Also falls es ihr möglich ist, einen Punkt, wo sie hingehen soll? Das läuft so, dass wir ihr dieses Bild immer wieder zeigen, und ihr Sicherheit schicken.«

Ich habe von dort dann Bilder aus dem Ort des Entlaufens geschickt bekommen:

Dieses Senden eines Ortes führte allerdings nicht zum gewünschten Erfolg. Also ging es am nächsten Tag weiter, mit diesem Bild:

Hier hatten wir nun das Geländer, welches uns Amy am Vortag gezeigt hatte. Im Rücken des Fotografen befindet sich der Eingang zu einer Höhle.

Die Sucherin vor Ort hatte eine Hundepfeife mitgenommen, um so vielleicht Kontakt zu Amy aufnehmen zu können. Sie fuhr Wege ab, hat gepfiffen und aus unserer Verbindung zu Amy konnten wir etwas Neues mitteilen. Wichtige Details, wie einen Skilift, und ein Haus mit einer großen Antenne. Ebenso war Amy an diesem Morgen vor einem Mann geflüchtet, der bei den Skiliften im Eingangsbereich gearbeitet hat.

Ein weiteres wichtiges Detail, war ein gelber Bagger mit langem Arm, den sie auf ihrem Weg passiert hatte. Da dort in den Bergen die Handyverbindung aber nicht immer funktionierte, hatte unser Kontakt vor Ort sie etwa um zwei Stunden verpasst. Allerdings hat sie Spuren eines Hundes gefunden, die plötzlich auf einem planierten Weg aufhörten.

Wir konnten allerdings weitere Details von Amy erfahren. Wir nahmen sie in einem Waldstück wahr und hörten plötzlich ganz deutlich Kühe. Die Nachrichten flogen hin und her, bis wir dann folgende Fotos aus der Schweiz bekamen:

Nun hatten wir also einen Punkt, mit welchem wir arbeiten konnten. Dieser Ort war Amy von früheren Gassirunden schon einigermaßen bekannt, dort hatte sie laut Aussage der Besitzerin auch immer Mist gefressen. Oder es wenigstens versucht. Wir haben den Leuten vor Ort geraten, dort eine Futterstelle einzurichten, was sie auch gemacht haben. Bei der Kontrolle am nächsten Morgen war das Futter weg und ganz klar waren frische Hundespuren im Schnee zu sehen. Nun schöpften auch die Besitzer wieder neue Hoffnung, dass Amy dort ist.

So ging das Ganze hin und her, mit Fotos, mit Rufen, wir haben neue Informationen geschickt. Plötzlich merkten wir, dass etwas anders ist. Die Stimmung von Amy hatte sich verändert. Sie war aufgeregt und aufgewühlt. Ich habe dann eine Nachricht geschrieben, doch es kam einige Zeit nichts zurück. Und dann plötzlich das:

Kunde: »Sie hat Amy gesehen, und hat ihr eine Wurst gegeben zum Essen. Leider konnte sie sie dann nicht halten.«

Für uns war das natürlich tragisch, auf der anderen Seite wurde aber dann auch in den Nachrichten, die danach folgten, klar, dass es wirklich eine Erleichterung war, das Amy am Leben ist. Und es ihr gut geht.

Die Familie bedankte sich sehr bei uns, allerdings wollten sie dann mit einer Tierschutzorganisation vor Ort weiterarbeiten, die mit Suchtrupps und Lebendfallen arbeiten. Jetzt hatten sie ja einen Anhaltspunkt. Wir haben dies natürlich zu akzeptieren, und es ist natürlich auch so, dass unsere Zeit und Energie auch etwas kostet. Ich schrieb der Familie also, dass wir alle die Daumen drücken für ein glückliches Ende.

Dies kam jedoch nicht zustande. Noch nicht. Nach einer Woche Suche mit den Helfern vor Ort wurden wir wieder eingeschaltet. Es gab vereinzelte Sichtungen, allerdings kam Amy nie wieder so nah. Und sie bewegte sich von dem Ursprungsort fort. Wir haben zwei Tage wieder ihren Weg begleitet, durch Wälder, auf Wegen, und sie schien genau zu wissen, wo sie hin will. An einem Abend sahen wir sie, wie sie neben einem gefüllten Napf lag, auf etwas Stroh. Die Kundin fragte nun im Bekanntenkreis nach, ob jemand diesen Ort anhand der von uns genannten Details beschreiben kann. Und wieder zwei Tage später kam dann der Durchbruch.

Ich bekam folgende Nachricht:

Kunde: »Ja alles in Ordnung! Amy ist in Appenzell bei einer Bauernfamilie. Sie können sie streicheln aber sie kommt nicht ins Haus. Sie bauen für Amy eine Hundehütte für den Winter. Die Besitzerin meint, wenn Amy dann lieber bei der Familie ist dann wäre sie froh wenn sie dort bleiben kann. Zuliebe von Amy!«

Ich: »Das sind ja tolle Neuigkeiten! Ich hab großen Respekt vor ihrer Entscheidung, sie stellt das Wohl des Hundes über ihres. Das ist klasse!«

Amy durfte also in ihr selbstgewähltes Zuhause ziehen. Sie war ein Straßenhund aus Bulgarien und wohl noch nicht bereit, das selbstbestimmte Leben aufzugeben. Und dort, etwa 40 km von dem Ort ihres Entlaufens, hat sie nun ihr Glück gefunden. Und wir waren froh, ein Teil dieser spannenden Geschichte gewesen zu sein.

Aus Rücksichtnahme vor den Menschen dort vor Ort verwende ich nicht die Originalnamen. Sowohl meine Kontaktperson als auch die Besitzerin des Hundes wurden massiv beleidigt (auch das ist Facebook), das sie einen Tierkommunikatoren zu Hilfe nehmen. Ebenso dafür, dass sie überhaupt Hunde aus dem Ausland holen. Aber dies zu erörtern ginge jetzt wahrlich zu weit. Alle Beteiligten wollten, dass ich diese Geschichte veröffentliche. Und dem komme ich sehr gerne nach.

Hundesuche in der Schweiz