Ich werde hin und wieder von meinen Kunden gefragt, wie ich denn eigentlich arbeite. Und da es einige sehr bekannte Hundetrainer gibt, die durch die Verbreitung im Fernsehen und im Internet eine große Aufmerksamkeit erreichen, liegt es auch Nahe, das man dann gerne mal verglichen wird. Und das ist auch bei aller Schwierigkeit, die ich dahinter sehe, auch nur menschlich.

Hundetraining

Allerdings ist es für mich insofern schwierig, dass der einzige gemeinsame Ansatz von uns allen der ist, dass wir mit Herzblut unseren Weg verfolgen. Sowohl Cesar Millan als auch Martin Rütter und Maja Nowak gehen ihren Weg mit der vollen Überzeugung, dass es der Richtige ist. Und ohne jetzt eine Grundsatzdiskussion loszutreten, sie haben mit ihrem Weg ja auch großen Erfolg. Doch genau in diesem Erfolg sehe ich auch eine Problematik für Hundehalter.

Es liegt nun mal in der Natur der Sache, das jeder, und ich meine wirklich jeder Hund individuelle Bedürfnisse und einen ganz anderen Charakter hat.

Es ist schlichtweg nicht möglich, die Vorgehensweise, die ich im Fernsehen in einer einstündigen, aus verschiedenen Szenen zusammengeschnittenen Show 1:1 auf den Umgang mit dem eigenen Hund zu übertragen. Leider wird aber genau dies gemacht. Wenn ein Hund sogenanntes aggressives Verhalten zeigt, kann das hunderte von Ursachen haben. Fehlende Bindung oder Vertrauen zum Menschen, medizinische Aspekte wie eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder anderes.

Nun hat der Kunde am Sonntagnachmittag im Fernsehen beobachtet, wie mit einem solchen Hund gearbeitet wird. Die mehrtägige Arbeit eines Profis wird auf zwanzig Minuten zusammengeschnitten. Und genau das, was Herrchen oder Frauchen in diesen zwanzig Minuten sehen, wird dann versucht, umzusetzen. Das kann nicht klappen. All das intensive beobachten, alle Maßnahmen, die getroffen werden, all die Arbeit wird in fernsehgerechte Häppchen geschnitten.

Und meine Kunden denken nun häufig, dass genau das auch bei ihrem Hund passiert. Es kommt jemand zu ihnen nach Hause, der dem Hund sein Patentrezept überstülpt und schon läuft alles wie am Schnürchen.

In den wenigsten Fällen ist es jedoch mit einem Besuch getan. Hunde, die drei, vier Jahre ein Verhalten gelernt und dies ausgebildet haben, werden nicht in zwanzig Minuten zu einem neuen, funktionierenden Hund. Es ist auch seitens des Menschen eine Änderung der Wahrnehmung und des Verhaltens notwendig, denn nur wenn beide an sich und vor allen Dingen miteinander etwas tun, kann der Hund mit Freude etwas lernen.

Dies ist allerdings auch eine Sache, über die ich mich sehr freue. Denn durch die Auseinandersetzung mit Hundeformaten im Fernsehen oder über das Lesen von Büchern wird das Interesse am eigenen Hund geweckt. Man setzt sich mit dem Thema auseinander und versucht, sogenanntes »Fehlverhalten« nicht als gegeben hinzunehmen.

Abschließen möchte ich das Ganze mit einem Zitat von Albert Einstein. Er sagte einmal: »Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man den Erfolg bei dieser Tätigkeit sofort sieht.«. Um mit einem Hund eine Vertrauensbasis aufzubauen, benötigt es jedoch Zeit, Einfühlungsvermögen und Interesse. Und genau hierbei möchte ich alle Hundebesitzer unterstützen.