Unsere Numa ist dieses Jahr acht Jahre alt geworden. Sie ist ein ganz wunderbarer Hund. Ausgeglichen, nett aber respektvoll zu anderen Hunden; und im Kontakt mit Menschen kennt sie das richtige Maß. Alles gut. Doch wie kommt man an den Punkt, dass man plötzlich merkt, genau so möchte ich meinen Hund haben? Und wie kann man seinen Hund dabei unterstützen?

Hunde verstehen - Teil 1

Für mich gab es ein Schlüsselerlebnis in unserer Beziehung. Dieses Erlebnis war so einprägend für mich, dass ich sogar so weit gehen würde, dass an diesem Tag, diesem einen Moment unsere Beziehung gekippt ist. Dahin, wo sie seit diesem Moment steht.

Numa war sieben Monate alt und in diesem Alter zu allen Schandtaten bereit. Aktiv, wissbegierig und an allem interessiert, was ein Leben auf dem Land mit sich bringt. Ich muss vorweg schicken, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr davon überzeugt war, dass ich absolut dominieren musste, und mein Hund mir zu gehorchen hat. Ohne Wenn und Aber.

So zog ich mir an diesem Tag meine Winterstiefel an und wie auch die Tage zuvor machte ich sie außerhalb des Dorfes von der Leine los. Sie hörte ja auf mich. Ich war etwas in Gedanken, es war ein harter Arbeitstag, den ich nochmal durchkaute. Und so habe ich nicht bemerkt, dass an einem kleinen Waldstück, etwa 50 Meter vor mir, zwei Rehe nach etwas Nahrung suchten. Diese gibt es bei uns recht häufig, also war das auch nichts Ungewöhnliches.

Ich bin mir sicher, im Nachhinein, das Numa mich angeschaut hat, nachdem sie die Rehe gesehen hat. Da ich aber gedanklich noch auf Arbeit war, habe ich dies nicht bemerkt. Numa ist also losgejagt, in Richtung der Rehe. Ich schaute ihr nach, rief, rief nochmal, doch sie reagierte nicht. Die Rehe haben sie auch bemerkt und sprinteten sofort in den Wald hinein. Numa hinterher.

Und dann begannen die Minuten, die einem wie Stunden vorkommen. Man pfeift, man ruft und langsam steigt das Unbehagen in einem auf, und mit dem Unbehagen kommt auch die Wut. »Warte nur ab…«

Numa kam wieder zurück. Sie strahlte bis über beide Ohren, und ja, Hunde können das. Doch ich hab es nicht wahrgenommen, da ich sauer war. Richtig sauer. Dass sie einfach abhaut, nicht auf meine Aufforderung reagiert hat, das komplette Paket.

Mein Hund hat das sofort gespürt. Sie duckte sich vor mir und hat signalisiert: »Tut mir Leid! Ich wollte dich nicht kränken. Wirklich nicht. Aber es war so einladend, die Rehe zu jagen…«

Und dann machte ich das, was mich hat umdenken lassen. In meinem Denken über Hunde generell, aber im Besonderen über meinen Hund…

Lest in Teil 2, wie ich reagiert habe und was diese Reaktion bei mir ausgelöst hat.