Fortsetzung von Teil 1…

Hunde verstehen - Teil 2

Doch was genau hat mich nun dort zum Umdenken gebracht?

Nun als Numa bei mir angekommen war, ich bin natürlich auch energischen Schrittes auf sie zugegangen, habe ich sie im Nacken gepackt und heftig auf den Rücken gedreht. Ich habe sie unterworfen. Machen die Wölfe so, macht die Hundemutter so, also alles richtig.

Doch Moment — bin ich ein Wolf? Oder Hundemama?

Eher nicht. Als ich also nun diesen kleinen Hund — meinen Hund — so vor mir liegen sah und ihre Augen meine angestarrt haben, begann ein Prozess. Dieser ging zuerst vom Herz aus, das sofort spürte, das hier für mich etwas grundlegend verkehrt lief. Und sofort hab ich losgelassen und mich bei Numa entschuldigt. In diese Augen, mit diesem Ausdruck, wollte ich nicht mehr blicken.

Wo genau dieser Impuls herkam, ich kann es gar nicht sagen. Aber er traf mich bis ins Mark. Wir trotteten so nebeneinander weiter und Numa zeigte mir durch ihre Körperhaltung, das sie durchaus verstanden hat, dass sie etwas gemacht hat, was mir nicht passte. Sie wusste zwar in dem Moment wahrscheinlich nicht ob es die Jagd war, das nicht auf die Rufe hören oder doch das zu mir zurückkommen — aber irgendwas war anders.

Meine Wut auf Numa war aus irgendeinem Grund wie weggeblasen und ich war nun wütend auf mich. Auf mein Verhalten meinem Hund gegenüber.

Als wir wieder zu Hause waren, hat sich dann auch mein Gehirn zu dieser Situation eingeschaltet. Gemeinsam reflektierten nun also Hirn und Herz den Vorfall.

Das Hirn sagte: »Keine Ahnung, warum du dich gerade so fühlst. Du hast doch gelesen, dass man genauso zu reagieren hat. Kann doch nicht angehen, das ein junger Hund einfach macht was er will!«

Und das Herz erwiderte: »Moment, erinnerst du dich etwa nicht an den Blick von Numa? Daran, wie sie schon geduckt auf dich zukam, da sie spürte, dass sie etwas gemacht hat, was sie eigentlich nicht soll? Und wo warst du denn eigentlich, liebes Gehirn, bevor die Sache losging?«

Hirn: »Ja, stimmt. Ich war noch auf der Arbeit. Ich neige dazu, auch abends noch an den Tag zu denken. Es passiert halt so viel, was noch zum zehnten Mal durchgekaut werden muss, um doch zu keinem Ergebnis zu kommen.«

So ging das hin und her. Irgendwann ist Numa aufgestanden von ihrem Platz, kam zu mir — immer noch in unterwürfiger Haltung — und legte mir ihre Pfote auf mein Bein. Sie wollte sich bei mir entschuldigen. Doch ich war es, der die Situation erst ermöglicht hat. Und ich war es, der sich zu entschuldigen hat. Numa wusste es nicht besser.

Lest im dritten Teil, wie ich genau dieses Erlebnis mit meinem Hund aufgearbeitet habe und was ich für meine heutige Arbeit als Tierhaltungsberater gelernt habe…


Vorheriger Teil