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Numa im Wald

Es ging also nun darum, einen Weg zu finden, meinen Hund nicht mehr zu unterwerfen. Sondern Partner auf Augenhöhe zu werden. Mir war klar, dass ich als Mensch die Führungsrolle einnehmen muss. Hunde mögen einen verlässlichen Partner, an dem sie sich orientieren.

Als ersten Schritt habe ich mein Handy zu Hause in der Wohnung gelassen. Ich wollte keine Ablenkung mehr haben, sondern versuchen, den Spaziergang mit meinem Hund in vollem Bewusstsein wahrzunehmen. Zu gerne habe ich vorher die Zeit genutzt, um doch noch gerade ein Telefonat zu führen oder schnell noch eine SMS zu schreiben. Doch genau diese Momente waren es, wo ich nicht mit meinem Hund verbunden war.

Dies war sicher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch was sich als weitaus schwieriger gestaltete, war das Tagesgeschäft. Ich hatte einen anspruchsvollen Job und ich nutzte die Zeit des Gassigehens gerne, um darüber nachzudenken, wie der Tag so war. Habe ich das richtig entschieden? Wie könnte ich dies anders machen? Habe ich auch nichts vergessen heute?

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich häufig nur die wenigste Zeit wirklich bei meinem Hund war. Und eigentlich ist es beeindruckend, dass sie trotzdem so sehr auf mich geachtet hat. Ich las später in einem Buch den Begriff »Unsichtbare Leine«. Genau diese habe ich mir bei den Spaziergängen mitgenommen. Ab diesem Tag.

Ich habe mich fokussiert auf meinen Hund, habe genau darauf geachtet, wo sie wann wohin schaut. Hierdurch wurde mir bewusst, wie oft Numa irgendwo schnüffelt, was sie alles wahrnimmt, wann es im Wald raschelt und wo Rehe stehen. Plötzlich — und das war ein toller Nebeneffekt meines Lernens — sah ich auch die Natur mit ganz anderen Augen. Nach einigen Wochen hatte ich wirklich das Gefühl, dieses unsichtbare Band zwischen mir und meinem Hund geknüpft zu haben.

Uns konnte nur ganz selten etwas überraschen, da ich immer ganzheitlich bei meinem Hund war. Und ihr durch meine Anwesenheit bei den Spaziergängen auch viel mehr anbieten konnte. Ich wurde ihr Spielpartner. Wir machten Suchspiele, trafen andere Hunde und Menschen, und manchmal war es auch das gemeinsame Laufen oder Ballspiele, die wir machten.

Seit dieser Zeit wusste Numa, dass ich diese wenigen Stunden am Tag nicht mehr in meinem Gedankenkarussell neben ihr hertrotte, sondern mit Herz und Verstand bei ihr bin.

Ich sah, wenn sie die Rehe erblickte. Ich nahm ihre Anspannung wahr, wenn irgendwo in der Nähe ein anderer Hund sein musste, den sie gerochen hat. Und dadurch, dass ich die Führung hatte, konnte ich schon vorher darauf reagieren, sie und mich vorbereiten, so dass eine »Bestrafung« im Nachhinein überhaupt nicht mehr notwendig war.

Im vierten und letzten Teil könnt ihr lesen, wie ich diese Erfahrungen in meiner Arbeit als Tierhaltungsberater umsetze…


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